Medienmitteilung des Amts für Sicherheit vom 5. Oktober 2017

Besuch in der Vergangenheit im Führungsbunker

In der Schlossmühle unterhalb der St. Gallerstrasse in Frauenfeld befindet sich eine Schutzanlage, die seit der Erstellung im Jahr 1939 nur einmal für den ursprünglichen Zweck benutzt wurde – als Kommandozentrale im Zweiten Weltkrieg. Weil ein Abbruch mit hohen Kosten verbunden ist, bleibt die Anlage wohl noch eine Weile stehen.

svf. Zwar wird in mehrjährigen Abständen immer mal über die Schutzanlage in den Medien berichtet, der breiten Öffentlichkeit hingegen ist der vierstöckige Bunker nicht präsent. Denn seine Lage mit dem Eingang in der Schlossmühle am Fusse der St. Gallerstrasse gegenüber dem Bollag-Gebäude ist ebenso diskret wie die Ausstattung der Anlage selbst. Die Räumlichkeiten stehen das ganze Jahr über leer – hin und wieder werden sie als Lagerraum genutzt. Dabei hatte diese Schutzanlage kurz nach ihrer Erstellung noch eine wichtige Funktion inne, war doch dort während des Zweiten Weltkriegs die Kommandozentrale der Zivilen Führung der Stadt untergebracht. Diese wurde unter anderem vom Fliegerbeobachtungsposten auf dem Türmli der Kantonsschule mit Informationen versorgt, wie Bürgerarchivar Angelus Hux als Kenner der Stadtgeschichte dazu weiss.

1939 in Betrieb genommen

Wie Stadtpräsident Anders Stokholm im Rahmen einer Besichtigung der Luftschutzanlage „Alter Orts-KP Schlossmühle“ sagte, war sie vor 78 Jahren in Betrieb genommen worden und kostete 98‘000 Franken – eine stattliche Summe für die damalige Zeit. Seither wird die Anlage – mittlerweile aber mit sehr geringem Aufwand – unterhalten. Im obersten Geschoss des Führungsbunkers befand sich einst der Alarmraum, wo die Meldungen entgegen genommen wurden und direkt darunter der Technikraum, in dem sich die Übermittlungseinrichtungen befanden. Unter der Technik war der Kommandoraum und im untersten Raum am Fusse des Bunkers befand sich der Mannschaftsraum/Schlafraum, wie Stadtarchivar Stephan Heuscher dazu sagt.

Weil im Kriegs- oder Katastrophenfall die Stromversorgung nicht gewährleistet werden kann, verfügt die Schutzanlage zudem noch über ein mit Körperkraft betriebenes Antriebssystem – vier Fahrräder stehen bereit, um den Ventilator anzutreiben.

Der vierstöckige Bunker in der Schlossmühle, der eine Kapazität für 80 Personen hat, ist mit seinem hohen Anteil an Treppen nicht gerade benutzerfreundlich ausgestattet. Dies spielt aber auch keine Rolle, ist die Anlage doch seit vielen Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb. Weil ein Abbruch mit hohen Kosten verbunden wäre, ist ein solcher allerdings nicht in Sichtweite.


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