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Historisch: Schloss Frauenfeld thront über der Stadt.

Medienmitteilung des Amtes für Alter und Gesundheit

Säumigen Prämienzahlern unter die Arme greifen

Was bringt Menschen dazu, die Krankenkassenprämien nicht zu zahlen? In den allermeisten Fällen eine finanzielle Notlage – oft ausgelöst durch Krankheit, Scheidung, Arbeitslosigkeit oder ähnliche persönliche Schicksalsschläge. Die Stadt Frauenfeld hilft säumigen Prämienzahlern mittels Case Management. Dies allerdings nur dann, wenn sie kooperativ sind und sich verpflichten, fortan die Krankenkassenprämien wieder pünktlich zu begleichen.
 

Die „Schwarze Liste“ der Krankenkassen wird derzeit breit diskutiert. Bei den auf der Liste aufgeführten Personen handelt es sich um Menschen, die seit längerer Zeit ihre Krankenkassenprämien nicht zahlen und deshalb von den Leistungen für die Gesundheitsversorgung ausgeschlossen wurden. Einzig im Notfall werden sie von Ärzten oder in Spitälern behandelt. In Frauenfeld leben derzeit 580 Personen, die auf der „Schwarzen Liste“ stehen. Darunter 100 Kinder aus 60 Familien. Weitere 470 Personen nehmen die Hilfe der Stadt in Anspruch und sind bereits in ein Case Management eingebunden.

Zusammen nach Lösungen suchen

„Das System mit der Schwarzen Liste ist an und für sich gut“, betonte Elsbeth Aepli Stettler, Vorsteherin des Departementes für Alter und Gesundheit der Stadt Frauenfeld, während der Medienkonferenz vom 14. August 2019. Allerdings bringe diese Liste nur dann etwas, wenn von der Gemeinde ein echtes Case Management betrieben werde. Konkret heisse das, dass man mit den Menschen, die auf der Schwarzen Liste vermerkt sind, zusammenarbeite und gemeinsam mit ihnen Lösungswege suche, um die finanzielle Notlage überwinden zu können. „Wenn man das Case Management in diesem Bereich professionell betreibt, ist es quasi ein vorgelagerter Sozialer Dienst, der verhindert, dass neue Sozialfälle das Stadtbudget belasten“, erläuterte die Vizepräsidentin des Stadtrates überzeugt.

Fälle immer komplexer

2018 musste die Stadt Frauenfeld 412‘000 Franken für säumige Prämienzahler aufwenden. Rund 170‘000 Franken bezahlten Klienten zurück, weitere 138‘000 Franken der Kanton. Eine erste Hochrechnung zeigt, dass sich 2019 die Ausgaben für die Übernahme von Verlustscheinen und ungedeckten Krankheitskosten sowie Prämien voraussichtlich auf rund 556‘000 Franken belaufen, wovon rund 350‘000 Franken zurückgefordert werden können. „Die Anzahl der geführten Fälle steigt laufend, die Fälle werden immer komplexer und die Prämienausstände betragsmässig höher“, zeigte Urban Kaiser, Leiter des Amtes für Alter und Gesundheit, auf.

Betroffene müssen sich melden

„Ich habe die Dossiers von sehr vielen Klienten gesehen und festgestellt, dass Menschen oft unverschuldet in eine finanzielle Notlage geraten“, verdeutlichte Kaiser. Schnell sei ihm zudem auch klargeworden, dass ein professionelles Case Management der beste Weg sei, den Klienten unkompliziert und vor allem nachhaltig zu helfen. Dabei wird jeder Fall einzeln beurteilt und gemeinsam nach einer Lösung aus der finanziellen Notlage gesucht. „Die Stadt entscheidet aufgrund der persönlichen Umstände, ob allenfalls eine Kostenübernahme mit Rückzahlungsverpflichtung angebracht ist, damit der Klient finanziell wieder saniert werden kann“, erklärte Urban Kaiser. Wichtig sei, dass sich die betroffenen Personen melden und helfen lassen wollen. „Wir schreiben sie mehrfach an und hoffen auf eine Rückmeldung“, betonte Kaiser. Ein besonderes Augenmerk lege man dabei auf Familien mit Kindern. Wenn die Eltern die Prämien der Kinder nicht bezahlen, heisse das, dass auch die Kinder nur noch im Notfall behandelt würden. Das gelte es zu verhindern.

Fallzahlen sollen gesenkt werden

Ein nachhaltiges Case Management ist mit hohem Aufwand verbunden und erfordert viele personelle Ressourcen. Deshalb will das Amt für Alter und Gesundheit die Abteilung Krankenkasse und AHV personell und fachlich verstärken. Ein erster Schritt ist dabei bereits getan. Seit 12. August leitet Sonja Dietrich neu die Abteilung Krankenkasse und AHV. Sie bringt bereits Erfahrung in den Bereichen Schuldenberatung und Case Management mit. Für 2020 wird eine weitere 60 Prozent Stelle budgetiert werden, damit eine intensivere Fallbetreuung möglich wird. Der Stadtrat will zudem die Prozessabläufe und Schnittstellen zu anderen Fachstellen optimieren. „Wir sind überzeugt, dass wir dank unseren Bemühungen die Fallzahlen senken und so vielen Menschen, die heute auf der Schwarzen Liste verzeichnet sind, helfen können“, gab sich Elsbeth Aepli Stettler zuversichtlich.

Abteilung Krankenkasse und AHV:
Krankenkassenkontrollstelle, Telefon 052 724 52 72; kksNULL@stadtfrauenfeld.ch
Rathausplatz 1, 8501 Frauenfeld (Zugang via Mittelgasse, Lift 3. Stock)

 

Urban Kaiser, Leiter Amt für Alter und Gesundheit, Sonja Dietrich, Leiterin Krankenkasse und AHV und Stadträtin Elsbeth Aepli Stettler erläuterten das Case Management der Stadt Frauenfeld in Bezug auf die Schwarze Liste der säumigen Prämienzahler.